Sich in ungezwungenem Rahmen über Bücher austauschen, Lesetipps empfangen, eine Kritik wagen, sich überzeugen lassen, lesen, auslesen, vorlesen, diskutieren… Mach mit bei den Leselustigen. Tauche ein in die wunderbaren, poetischen, lehrreichen, ins Denken bringenden literarischen Welten jeden Genres und aus mehreren Epochen.
Wir treffen uns monatlich zum lustvollen Book-Talk. Jeder Mensch ist herzlich willkommen. Hier findest du eine kurze Anleitung, wie du dein Buch in der Runde vorstellen kannst. Weitere Infos bei
Amira: 076 250 05 58.
Für alle, die nicht dabei sein können, sind die Büchertipps
der Leselustigen auch im Bücherschrank am Marktplatz und bei Bücher Lüthy in Grenchen präsent.
Vier Roman-Debüts und ein Bestseller. Die Bücher der Leselustigen im Mai könnten inhaltlich nicht unterschiedlicher sein, und doch ermöglichen sie alle auf ihre Weise den Leser*innen einen Blick in sonst unzugängliche, geschlossene Innen- und Aussenwelten. Man kann nur dankbar für dieses Geschenk der Literatur sein und für die Möglichkeit, es mit anderen zu teilen.
Inspirierender Wegweiser
Daniel, ein Mann in den mittleren Jahren, ist beruflich gescheitert, seine Ehe ist zerbrochen, sein einziger Sohn hat sich von ihm abgewendet. Er ist verzweifelt, mutlos und kurz davor, sich das Leben zu nehmen. Scheinbar zufällig trifft er auf einen weisen Mann, der ihn auf eine Pilgerreise schickt; eine Reise der Selbstfindung, die zum Wendepunkt in Daniels Leben werden wird. Während seiner Wanderung begegnet Daniel Menschen, die ihm durch ihre Geschichten die Augen dafür öffnen, was Glück bedeutet und was im Leben wirklich zählt: Liebe, Dankbarkeit, Vergebung, Willenskraft und die Fähigkeit, die Schönheit zu erkennen, die in allem verborgen liegt. Djordje findet: «Eine kraftvolle, berührende Erzählung, die dazu inspiriert, uns selbst zu finden und dem Leben mit Liebe, Mut und Kraft zu begegnen. Der Bestseller aus Spanien ist eine leicht zu lesende Erzählung, die Licht und Lebensfreude schenkt.»
Der Mann, der Angst hatte zu leben. Eine Erzählung über das Glück, das in uns verborgen liegt. Miguel Ángel Montero, 2026, 224 Seiten
Die letzte Patientin
Ein alternder, emotional erschöpfter und kaum noch motivierter Psychiater zählt die Tage bis zu seinem Ruhestand. Bald wird er die Türen seiner Praxis endgültig schliessen. Doch eine letzte Patientin lässt sich nicht abwimmeln. Die Gespräche mit Agathe verändern alles: Nähe, Lebendigkeit, Hoffnung und neue Freundschaften scheinen plötzlich möglich, Wege öffnen sich und Zuversicht entsteht. Eine universelle Geschichte über Einsamkeit, Alter, Vergänglichkeit, Nähe und Distanz und Verletzlichkeit, voller melancholischer Zärtlichkeit. Vom Cover bis zum letzten Satz ein feines Werk! Eine Geschichte, die davon erzählt, dass es nie zu spät ist für hoffnungsvolle Aufbrüche und wie eine Patientin letztlich den Psychiater «therapiert». Die dänische Autorin Anne Cathrine Bomann lässt in ihrem Debütroman einen 72-jährigen Ich-Erzähler m Paris der späten 1940er Jahre auftreten: wortkarg, distanziert, voller Angst vor seinen Patienten. In klaren Bildern und mit Leichtigkeit schildert sie ein erstarrtes Leben, das langsam in Bewegung gerät. Ursi ist begeistert: «Die Dialoge wirken echt, entfalten Tiefe und enthüllen nur ganz langsam die Geheimnisse von Agathe und ihrem Psychiater. Ein Buch, in dem äusserlich nicht viel passiert, aber innerlich viel in Bewegung kommt.»
Agathe, Anne Cathrin Bomann, 2019, 160 Seiten
Jin, Jiyan, Azadî – Frau, Leben, Freiheit
Jina Khayyer, in Deutschland geboren und heute zwischen Paris und der Provence lebend, schreibt in ihrem Roman-Debüt über das Leben zwischen zwei Kulturen. Entlang von drei Generationen iranischer Frauen erzählt sie von Herkunft, Exil und der Frage, welches Leben, insbesondere für Frauen, lebenswert ist. Ausgangspunkt ist der Tod von Jina Mahsa Amini. Die Erzählerin blickt aus Südfrankreich auf die Proteste, an denen auch ihre Schwester Roya und ihre Nichte Nika teilnehmen. Erinnerungen an frühere Iranreisen, an die Grüne Bewegung 2009, an familiäre Bindungen und eine verbotene Liebe verweben sich mit der Gegenwart. Eindrücklich sind die Frauenfiguren: Tanten, die trotz Repression zusammenhalten, Roya, die ihr Internetcafé schliessen muss, und Nika, die fragt: «Welches Leben ist lebenswert, Tante?» Eine Reise mit dem geheimnisvollen Iman verdichtet die Themen von Identität, Begehren und Gefahr. Petra hebt die Aktualität und die starken Frauenschicksale hervor, bemerkt jedoch, dass persischsprachige Einschübe ihren Lesefluss beeinträchtigt hätten. Dennoch: ein poetischer, starker Roman mit Nachhall.
Im Herzen der Katze, Jina Khayyer, 2025, 253 Seiten
Tradition und Totschlag
Isabella hat der Krimi förmlich den Ärmel reingezogen! Ein wahres Lesevergnügen von der ersten bis zur letzten Seite. London 1901: Der Temple-Bezirk mit seinen alten Gebäuden und verwinkelten Strassen liegt im Herzen Londons und bildet das Zentrum der englischen Rechtswelt. Ein Ort, an dem Traditionen alles bedeuten und Mord seit Jahrhunderten nur in Fallbüchern vorkommt – bis jetzt. Als der neurotische, aber geniale Anwalt Sir Gabriel Ward an einem sonnigen Mai-Morgen aus seinen Räumen tritt, stolpert er über die Leiche des obersten Richters. Da die Polizei im Temple-Bezirk keine Befugnisse hat, wird Gabriel mit der Aufklärung betraut. Mit Logik und Akribie stürzt er sich auf die Fakten, doch ein Mord folgt eigenen Gesetzen. Hinter den schweren Eichentüren des Temple-Bezirks verstecken sich mehr dunkle Geheimnisse, als er je geahnt hätte. Sally Smith, selbst Anwältin und King’s Counsel mit jahrzehntelanger Temple-Erfahrung, lässt in ihrem Erstling ihre historische Umgebung lebendig werden.
Der Tote in der Crown Row. Ein Fall für Sir Gabriel Ward, Sally Smith, 2025, 400 Seiten
Authentische indigene Stimme
Eindrucksvoll, mit Humor und grosser Menschenkenntnis erzählt Morgan Talty aus seiner Welt, dem Aufwachsen eines Jungen zum jungen Erwachsenen im Penobscot-Reservat im US-Bundesstaat Maine. Amira: «Man hört, riecht und fühlt förmlich die Umgebung: Schönheit, Ekel, Ausweglosigkeit, menschliche Nähe werden intensiv spürbar. Die Härte des Lebens und die Tristesse im Reservat werden ohne Sozialkitsch, Anklage oder Selbstmitleid vermittelt. Das Ringen zwischen Überleben und dem Aufrechterhalten indigener Tradition und Weltanschauung durchdringt das Buch.» Der Fund eines verfluchten Gefässes leitet die Auflösung der Familie ein. Die demente Grossmutter verwechselt den Enkel mit jemandem aus ihrer Vergangenheit, während er mit Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit und illegaler Stachelschweinjagd kämpft. Eine rohe, sinnliche Erzählstimme, die lange nachhallt.
Morgan Talty von der Penobscot Nation bringt mit dieser Leistung eine ganz eigene Stimme ins Leben. Sein Debütroman wurde mit dem PEN/Robert W. Bingham Prize und dem National Book Critics Circle John Leonard Prize ausgezeichnet.
Sein Name ist Donner, Morgan Talty, 2025, 320 Seiten
